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ETF · ÖEKB · Thesaurierung · 7 min Lesezeit

Ausschüttungsgleiche Erträge: Was sie sind und wie du sie versteuern musst

Thesaurierende ETFs zahlen keine Dividenden aus — aber in Österreich musst du trotzdem jedes Jahr Steuern darauf zahlen. Was steckt dahinter, wie kommen die Beträge zustande, und was hat die ÖEKB damit zu tun?

Das Grundprinzip

Ein thesaurierender ETF reinvestiert seine Erträge — Dividenden der enthaltenen Aktien, Zinsen aus Anleihen — automatisch ins Fondsvermögen. Du bekommst kein Geld ausgezahlt, aber dein Anteil wird mehr wert.

In Österreich gilt: Diese intern reinvestierten Erträge sind trotzdem steuerpflichtig, und zwar im Jahr, in dem sie im Fonds anfallen. Sie heißen ausschüttungsgleiche Erträge (kurz: AgE). Der Steuersatz ist 27,5% KeSt — genauso wie auf echte Ausschüttungen.

Das bedeutet: Du zahlst jedes Jahr Steuer auf Erträge, die du nie auf deinem Konto gesehen hast.

Was ist ein Meldefonds?

Nicht alle ETFs liefern die nötigen Steuerdaten. Ein Meldefonds ist ein Fonds, der seine steuerlichen Erträge jährlich an die ÖEKB (Österreichische Kontrollbank) meldet. Auf dem Portal my.oekb.at (früher profitweb.at) werden diese Daten für jeden registrierten Fonds veröffentlicht.

Die allermeisten großen ETFs — MSCI World (IWDA), FTSE All-World (VWCE), S&P 500 (CSPX) — sind Meldefonds. Du kannst es per ISIN-Suche auf my.oekb.at prüfen.

Ist ein Fonds kein Meldefonds, wird der steuerpflichtige Ertrag pauschal mit 90% des Kursgewinns bewertet — in der Regel deutlich ungünstiger. Nicht-Meldefonds sollte man als österreichischer Anleger meiden.

Wie wird der steuerpflichtige Betrag berechnet?

Die ÖEKB veröffentlicht für jeden Meldefonds einen Betrag in Euro oder Fondswährung pro Anteil. Für die eigene Steuerberechnung brauchst du:

  1. Den ÖEKB-Betrag pro Anteil für das jeweilige Steuerjahr (auf my.oekb.at per ISIN suchen)
  2. Die Anzahl deiner Anteile am Stichtag der ÖEKB-Meldung (nicht zum Jahresende)
  3. Den EZB-Devisenkurs am Stichtag, falls der Fonds in USD oder GBP notiert

Die Formel: AgE = ÖEKB-Betrag/Anteil × Anzahl Anteile × Devisenkurs

Das Ergebnis kommt in Kennzahl 937 (ausländisches Depot) bzw. 936 (inländisches Depot) der E1kv. Darauf werden 27,5% KeSt berechnet. Quelle: BMF E1kv 2024.

Konkrete Beispiele

Vanguard FTSE All-World (VWCE)

IE00BK5BQT80

Thesaurierend. Meldefonds. ÖEKB meldet jährlich ausschüttungsgleiche Erträge je Anteil.

iShares Core MSCI World (IWDA)

IE00B4L5Y983

Thesaurierend. Meldefonds. Einer der am häufigsten genutzten ETFs österreichischer Anleger.

Xtrackers MSCI World Swap (XMEX)

LU0274208692

Thesaurierend, Swap-basiert. Auch Swap-ETFs können Meldefonds sein — ISIN auf my.oekb.at prüfen.

Warum das mühsam ist

Das Problem: Jeder Fonds hat einen anderen Stichtag. Du brauchst für jeden ETF den richtigen EZB-Kurs an einem anderen Datum. Die ÖEKB-Daten müssen manuell heruntergeladen und aufbereitet werden. Wer mehrere ETFs in mehreren Depots hält, verbringt damit leicht ein paar Stunden.

Bei steuereinfachen Brokern (z.B. österreichische Banken) macht das der Broker automatisch. Bei Interactive Brokers, Scalable Capital oder Bitpanda liegt es an dir.

Was ist mit ausschüttenden ETFs?

Ausschüttende ETFs zahlen Erträge direkt aus. Diese Ausschüttungen sind sofort steuerpflichtig (Zeile 985 der E1kv) und erscheinen im Broker-Bericht. Ausschüttungsgleiche Erträge fallen dabei aber trotzdem an — ein Teil des Fondsertrags wird jährlich gemeldet, auch wenn ein Teil ausgeschüttet wird.

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